Bärensong

Der Bärensong

Bären lieben Musik, das ist bekannt. Vor allem Lieder, in denen es um sie geht.

Lange, lange lag uns der Bär in den Ohren: Er bräuchte dringend einen eigenen Song.
Schließlich handele es sich bei ihm um einen besonders musikalischen und tanzfreudigen Bären.
Keine Ruhe wollte er uns lassen.

Bis sich schließlich jemand fand, der nicht nur dichten, Gitarre spielen und singen kann, sondern auch ein ganz besonders großes Herz für Bären und Kinder hat.
Der Dortmunder Liedermacher Hans Blücher gibt sich die Ehre.
Produziert von Jan Primke präsentieren wir stolz den ersten, offiziellen Bärensong.

Baerenmusik
Zum Anhören:
Oder als Download.
(Rechtsklick -> Link speichern unter…)

Über den Künstler

Hans Blücher – Liedermacher, Nordstadtpoet und Dortmunder.

Seit über zehn Jahren macht er Musik mit ganz besonderen Charakter: Intelligent, charmant und unverwechselbar.

Mit seiner Band rein tourt er durch die Clubs, Fußgängerzonen und Wohnzimmer der Republik. Auch ein Konzert an einer öffentlichen Steckdose hat es schon gegeben.

Mit Songs, die von den wichtigen Dingen des Lebens erzählen, wie Fußball und der Bude an der Ecke oder von Kleinigkeiten wie der großen Liebe und der intimen Beziehung zu seiner Heimatstadt, gelingt ihm immer wieder der Balanceakt zwischen tiefgründiger Musik und Melodien, die ins Ohr gehen und dort nie wieder raus wollen.

Der Bär-und-Zwiebel-Song ist das erste Kinderlied des jungen Vaters.
Und vermutlich nicht das letzte.

Wer mehr über Hans erfahren möchte, besucht seine Homepage.

Schaut auf der Seite seiner Band rein nach den nächsten Auftritten.

Oder genießt seine Musik direkt auf seinem YouTube-Kanal.

Hans-Gitarre-01

Wie der Bär zu seinem Lied kam

- eine Geschichte

Es muss vor drei oder vier Jahren gewesen sein, als ich den Nachtflohmarkt im Dortmunder Depot besuchte.
Nicht ganz freiwillig, wie ich zugeben muss – Flohmärkte sind nicht meins. Den Ramsch anderer Menschen kann ich auch bei Ebay kaufen, ich bin nicht nostalgisch und Gelsenkirchener Barock eignet sich in meinen Augen eher für ein Lagerfeuer als fürs Wohnzimmer.
Aber ich wurde mitgeschleift, von einem jener Menschen, die tatsächlich glauben, dass sie unter all den abgetragenen Schuhen, hoffnungslos veralteten Elektrogeräten und Andenken aus Opas wilden Zeiten irgendwann ganz sicher einen wertvollen Schatz entdecken.

Das Depot ist, wie der Name vermuten lässt, ein altes Industriegebäude. Genauer gesagt eine Halle, in der früher die Dortmunder Straßenbahnwagen untergebracht und repariert wurden.
Und in eben genau dieser Halle fand besagter Nachtflohmarkt statt.

Kaum angekommen erlebte ich mein erstes persönliches Highlight des Abends: Vor dem Eingang stand eine Menschenschlange in der klirrenden Novemberkälte. Man muss sich das einmal vorstellen: Eine Warteschlange vor einem Flohmarkt. Meine eh schon nicht brillante Laune sank.
Nach vielleicht zehn Minuten des Anstehens kamen wir endlich rein. Von einer kleinen Empore direkt hinter dem Eingang konnte man die gesamte Halle ziemlich gut überblicken und was ich sah, bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen. Tapetentisch reihte sich an Tapetentisch, vollgestopft mit mundbemalten Schirmständern, unvollständigen Kaffeeservicen und Trockenhauben aus dem letzten Jahrtausend. Zwischen all dem Kram erhob sich eine kleine Bühne auf der ein einsamer Mensch mit einer Gitarre saß und versuchte, gegen den Lärm, der sich aus der Masse an Menschen erhob, anzusingen. Das konnte heiter werden.

Es wurde sehr heiter. Tisch um Tisch wurde abgeklappert, keiner durfte ausgelassen werden. Es ging vorbei an Bildern in Öl, die meine Oma altmodisch gefunden hätte, an Kisten voller Kabelsalat, wie sie ganz ähnlich auf meinem Dachboden stehen und Pappkartons mit Schallplatten von Menschen, deren Namen ich noch nie gehört hatte, die aber augenscheinlich alle oben erwähnte Trockenhauben zu benutzen schienen.
Der Auftrag war, ein Telefon zu finden. Ein Telefon! Weil man Elektroartikel am besten dort kauft, wo man sie nicht ausprobieren kann und keinerlei Garantie bekommt. Genial. Mein Einwand, dass man ein neues Telefon inklusive Akku und Anrufbeantworter für 15€ im Laden bekommt, wurde natürlich ignoriert.
Wir zogen wie die Nomaden durch die Reihen, begutachteten Kleidungsstücke, die ich nicht mal an Karneval tragen würde, selbstgebastelten Adventsschmuck und etwas, von dem ich mir bis heute nicht sicher bin, ob es ein Nacht- oder ein Suppentopf war.
Ab und zu streiften wir die Bühne, auf der immer noch der Junge mit der Gitarre saß und einsam seine Lieder sang. Ein Telefon fanden wir natürlich nicht.

Meine Laune näherte sich dem absoluten Nullpunkt. Es war voll, es war laut. Ich hatte Eintritt bezahlt, um den Ramsch fremder Menschen betrachten zu dürfen. Getränke waren unverschämt teuer und man durfte nicht einmal vor die Tür, um seiner Sucht zu frönen; es sei denn man wäre bereit, sich erneut an der immer weiter anwachsenden Schlange anzustellen.
Ich hatte wirklich keine Lust mehr. Schon gar nicht darauf, jeden Tisch ein weiteres Mal abzusuchen, um sicher zu gehen, dass sich unter Bergen an rostigen Schraubendrehern, Häkelmützen in Unfarben und Taschenrechnern von der Größe einer Tageszeitung vielleicht nicht doch noch ein Telefon versteckt.

Wie ein störrischer Esel blieb ich einfach stehen, zufällig genau vor der kleinen Bühne, und wollte dem Musiker lauschen. Natürlich machte der gerade Pause!
Aber gerade als ich endgültig davor war, aus der Haut zu fahren, stellte er sein Glas weg, hängte sich die Gitarre wieder um und begann zu singen. Mit verschränkten Armen stand ich da, die Stirn gerunzelt. „Jetzt spiel besser mal nen Hit“, dachte ich bei mir.
Er spielte. Die Arme lösten, die Stirn glättete sich.

Ich bin, was Musik betrifft, ein ziemlicher Problemfall. Es ist wie mit Anziehsachen: Entweder gefällt mir ein Song sofort, oder ich will nichts davon wissen. Und Texte sind mir wichtig. Ich bin halt Geschichtenerzähler und ein Lied muss für mich eine Geschichte erzählen, sonst taugt es nichts.
Was hier kam, begeisterte mich. Nicht von der Komposition, davon verstehe ich nichts und ein einzelner Mann mit einer Gitarre kann nur so viel ausrichten. Aber die Texte! So viele Bilder, so voller Witz, so viel, was erzählt wurde. Und das Schönste: Sie drehten sich fast alle um meine Heimatstadt. Sie sprachen von Fußball und der Stadtbahn und einem Bierchen am Kiosk. Ich kann nicht abstreiten, dass ich ein Lokalpatriot bin, ich liebe das Ruhrgebiet und hier war jemand, der dieses Gefühl teilte. Jemand der verstand, dass es keine Autofahrt ins Grüne braucht, wenn man die Parkbank hat. Dass die Hässlichkeit, die hier manchmal durchscheint, nur eine Narbe ist, die die Geschichte schlug. Und dass die Bude an der Ecke immer besser ist, als die gläsern-glänzende Shoppingmall. Glaube ich zumindest…

In der nächsten Pause sprach ich den Künstler an. Hans Blücher, aha. Nie gehört. Aber egal. Ob es eine CD gibt? Klar gibt es die! Direkt hier in meinem Gitarrenkoffer. Ich ließ sie mir signieren.
‚Eine Nacht in der Nordstadt‘. Ein großartiges Album. Vermutlich nennt man so etwas Konzeptalbum, wenn alle Lieder zusammen eine Geschichte erzählen. Eben von einer Nacht in der Nordstadt mit allem was dazu gehört.
An diesem Abend ging ich glücklich nach Hause. Zwar ohne Telefon, dafür aber mit einem Schatz in der Tasche.

Ich habe die CD in den letzten Jahren immer mal wieder gehört; hatte sie sogar auf meinem kleinen Handy mit seinem begrenzten Speicherplatz. Und irgendwann im letzten Sommer, wir hatten gerade ‚Lernen mit Bär und Zwiebel‘ veröffentlicht, saß ich in der U-Bahn und hörte eines meiner Lieblingslieder aus dem Album: ‚An der Bude‘. Ich hörte es einmal, ich hörte es zweimal. Und irgendwann erwischte ich mich dabei, wie ich leise statt ‚An der Bude…‘ auf die Melodie ‚Bär und Zwiebel…‘ sang.
Ideen werden manchmal in den merkwürdigsten Situationen geboren: Wir brauchen einen Bärensong! Der dicke Elefant hat einen, wieso unser Bär nicht?
Zuerst versuchte ich selber, den ganzen Text auf unsere beiden Figuren umzudichten. Aber irgendwie wollte es mir nicht so recht gelingen. Es hakte vorne und hinten. Und selbst wenn es klappen sollte, wer sollte das dann singen? Und die Instrumente spielen? Und überhaupt gehörte die Melodie mir doch gar nicht!
Was also tun? Der verzweifelte Mann greift zu extremen Maßnahmen: Ich schaute im Internet nach Hans Blücher. Es gab eine Homepage samt Emailadresse.
Ich weiß nicht mehr, wie lange ich an der Email gesessen habe. Aber ich erzählte Hans die ganze Geschichte. Vom Flohmarkt und vom Bären und unserer App. Wie sehr ich seine Songs mag und dass ich meinen kleinen Text auf sein Lied gesungen hatte. Ich rechnete nicht mit einer Antwort.

Noch am selben Tag bekam ich Post.
Pessimist der ich bin, erwartete ich höchstens eine höflichen Absage. Dass Hans schrieb, er würde sich geehrt fühlen, einen Song zu unserem Projekt beisteuern zu können, riss mich förmlich vom Stuhl. Es sind halt wirklich meistens die Zufälle, die das Leben so seinen Gang nehmen lassen.
Hans war vor nicht allzu langer Zeit Papa geworden; hatte seit dem schon öfter mit dem Gedanken gespielt, Kinderlieder zu schreiben. Vielleicht war ihm meine Email wie ein Wink des Schicksals erschienen, jetzt damit anzufangen?

Ein paar Wochen später trafen wir uns dann zum ersten Mal in einem kleinen Café – kennenlernen, Grundsätzliches besprechen. Hans kleiner Sohn war auch dabei.
Ich habe nun wirklich keine Ahnung, wie man ein Lied schreibt. Ich spiele kein Instrument, mein Musiklehrer hat neun Jahre lang vergeblich versucht, mir das Notenlesen beizubringen. Vielleicht ist es ein wenig, wie wenn man ein Gedicht schreibt?
Die Arbeit wurde also vollständig dem Profi überlassen. Und das war vermutlich auch gut so.
In meiner naiven Vorstellung gab es einen Hocker, eine Gitarre und ein Mikro. Eine schnelle Aufnahme, vielleicht im mit alten Matratzen isolierten Hobbykeller, und der Drops ist gelutscht.
Schließlich ist Hans nicht hauptberuflich Musiker und noch dazu junger Vater. Wieviel Zeit hat er schon übrig, um sie in unseren kleinen Song stecken zu können?
Für mich war das Projekt so gut wie abgeschlossen, als Hans uns zu einer ersten Hörprobe in sein Büro einlud. Melodie und Text waren fertig. Jetzt noch eben alles aufnehmen und gut is‘.
Wieso irre ich mich bei solchen Dingen eigentlich immer so?
Es fielen Worte wie ‚Tonstudio‘ und ‚die anderen Musiker‘.
Welches Tonstudio? Welche anderen Musiker? Was passierte hier?
Hans ging professioneller an die Sache, als ich mir das jemals erträumt hätte.

Im Herbst bekamen wir dann die erste Studioaufnahme zu hören. Mit Klaviersolo und etwas, das ich für ein Kazoo halte. An dieser Stelle übrigens ein ganz großes Dankeschön an Jan vom Studio!
Aber Hans war immer noch nicht zufrieden. Es liegt wohl in der Seele eines Künstlers, Perfektionist zu sein. Also wurden die Instrumente neu arrangiert, der Song auf radiotaugliche Länge gekürzt und das Beste: Ein Kinderchor sang den Refrain mit. Das verlieh dem Lied einen zusätzlichen, umwerfenden Charme. Hier auch ein großes Dankeschön an die Kinder und die zwei Musiker, deren Namen ich leider immer noch nicht kenne.

Ende November ist dann tatsächlich alles fertig geworden. Gerade rechtzeitig, dass wir den Bärensong als ganz besondere Weihnachtsüberraschung in unseren Adventskalender einbauen konnten.

Und jetzt gibt es ihn auch hier. Zum Anhören und herunterladen. Zum Genießen, tanzen und Spaß haben.
Vielen Dank, lieber Hans, für all die Arbeit und Mühe. Es ist etwas Wundervolles dabei heraus gekommen.
Ich freue mich, einen so kreativen und netten Menschen kennengelernt zu haben und bin jetzt schon gespannt auf alle Projekte, die wir in Zukunft zusammen angehen!